14 Mai 2025 | Berlin | Stellungnahme

Lasst die kurdische Sprache an Schulen aufblühen!

Jedes Jahr am 15. Mai kommen Millionen Kurd*innen in Kurdistan und in der weltweiten Diaspora zusammen, um den Tag der kurdischen Sprache zu feiern. Als Organisation, die sich für die Förderung der Mehrsprachigkeit und die Unterstützung des Unterrichts in der Herkunfts-/Erstsprache in Schulen einsetzt, nehmen wir mit Stolz an dieser Feier teil, um die Schönheit, den Reichtum und das lebendige Potenzial der kurdischen Sprache aufmerksam zu machen.

Dieser Tag ist für uns nicht nur ein Anlass, unser sprachliches Erbe zu würdigen, sondern auch ein dringender Aufruf, sich der anhaltenden Unterdrückung und den strukturellen Barrieren entgegenzustellen, mit denen die kurdische Sprache sowohl in Kurdistan als auch in der Diaspora – insbesondere im Bildungsbereich – konfrontiert ist.

Vor diesem Hintergrund widmen wir den diesjährigen Tag der kurdischen Sprache ganz gezielt der Stärkung des kurdischen Herkunftssprachenunterrichts an Schulen in Deutschland, mit besonderem Fokus auf Berlin. Obwohl es den Herkunftssprachenunterricht in Deutschland bereits seit über 30 Jahren gibt, bleiben kurdische Sprachkurse strukturell benachteiligt und innerhalb kurdischer Familien relativ unbekannt. In Berlin, wo der formelle Kurdischunterricht erst seit 2019 existiert – ermöglicht durch das beharrliche Engagement kurdischer Community-Organisationen, koordiniert durch Yekmal e.V. –, ist die Zukunft dieser Kurse aktuell massiv gefährdet, da die Registrierungszahlen angeblich nicht ausreichen.

Wir wissen jedoch, dass die geringe Zahl der Anmeldungen keineswegs mangelndes Interesse von Seiten der kurdischen Eltern oder Schüler*innen widerspiegelt. Vielmehr zeigt sie ein systemisches Versäumnis der Bildungsbehörden und Schulleitungen, Familien ausreichend über vorhandene mehrsprachige Bildungsangebote zu informieren. Kurdische Familien sind besonders benachteiligt, da Kurdisch im Vergleich zu länger etablierten Herkunfts-/Erstsprachen wie Türkisch, Arabisch, oder Russisch erst seit relativ kurzer Zeit an Schulen angeboten wird. Zudem verhindern logistische Barrieren, dass viele Eltern ihre Kinder anmelden können, da Kurdischunterricht oft weder an der jeweiligen Schule noch an nahegelegenen Schulen verfügbar ist.

Zusätzlich zu diesen logistischen Hürden kämpft der kurdische Herkunfts-/Erstsprachenunterricht mit weiteren strukturellen Problemen in Bezug auf seinen offiziellen Status, die Unterrichtsbedingungen und die begrenzte institutionelle Unterstützung der Lehrkräfte.

Daher rufen wir anlässlich des diesjährigen Tages der kurdischen Sprache kurdische Eltern dazu auf, Kurdischunterricht an den Schulen ihrer Kinder einzufordern und ihre Kinder aktiv anzumelden, wo immer dies möglich ist. Wir appellieren ebenso an kurdische Community-Organisationen, Vereine, Elterninitiativen, Intellektuelle, Künstlerinnen und Vertreterinnen der kurdischen Communities, der Förderung des Kurdischunterrichts höchste Priorität einzuräumen, relevante Informationen aktiv in ihren Netzwerken zu verbreiten und gemeinsam Druck auf Schulen und Bildungsbehörden auszuüben. Schließlich wenden wir uns direkt an die zuständigen Bildungsbehörden und Schulleitungen und erinnern sie an ihre Verantwortung, den Status, die Zugänglichkeit und die Bedingungen des kurdischen Herkunfts-/Erstsprachenunterrichts aktiv zu verbessern.

Wir sind fest davon überzeugt, dass wir die Förderung der kurdischen Sprache an Schulen nur durch gemeinsames Engagement, Solidarität und gegenseitige Unterstützung erfolgreich gestalten können. Als Yekmal e.V. und Yekmal Akademie gGmbH stehen wir entschieden hinter diesem kollektiven Ziel. Gemeinsam können wir noch größere Erfolge erzielen.

In diesem Sinne: Alles Gute zum Tag der kurdischen Sprache!

 

Verein der Eltern aus Kurdistan in Deutschland e.V. (Yekmal)
Yekmal Akademie gGmbH

14. Mai 2025

 

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