Am 19. Februar 2020 wurden in Hanau neun Menschen durch einen rassistischen Terroranschlag ermordet. Seit sechs Jahren fordern zahlreiche Initiativen, allen voran die Bildungsinitiative Ferhat Unvar, umfassende Aufklärung der Geschehnisse, die zu diesem terroristischen Anschlag geführt haben. Der Täter war den Behörden bekannt. Dennoch versagten die Behörden. Der Notausgang der Arena-Bar war verschlossen, der Notruf zeitweise nicht erreichbar, es gab erhebliche Mängel bei der Erteilung der Waffenerlaubnis für den Täter. Der Untersuchungsausschuss stellte fest, dass die Stadt ihrer Fürsorgepflicht nicht ausreichend nachgekommen ist. Und trotzdem gab es keine spürbare politische Verantwortung, keine selbstkritischen Entschuldigungen, keine strukturellen Konsequenzen. Stattdessen bleiben symbolische Gesten.
Für viele Rassismus erfahrende Menschen steht Hanau in einer Kontinuität rechter und rassistischer Gewalt. Man denke an die Mordserie der Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU). Zentrale Fragen zu institutionellem Versagen und strukturellen Problemen stehen weiterhin ungeklärt im Raum. Was bedeutet Erinnerung, wenn die Betroffenen nicht im Zentrum stehen? Was bedeutet Aufklärung, wenn sie dort endet, wo staatliche Strukturen betroffen sind?
Als Migrant*innenselbstorganisation sagen wir klar: Aufklärung darf nicht selektiv sein. Verantwortung muss übernommen werden. Erinnerung braucht Konsequenzen.
Verein der Eltern aus Kurdistan in Deutschland e.V. – Yekmal
18. Februar 2026